Rapunzel-Turm und Märchen-Tipi

“’Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter.‘, rief die Zauberin. Da ließ Rapunzel die Haarflechten herab, und die Zauberin stieg zu ihr hinauf. ‚Ist das die Leiter, auf welcher man hinaufkommt, so will ich auch einmal mein Glück versuchen, dachte der Prinz‘. Und am folgenden Tag, als es anfing dunkel zu werden, ging er zu dem Turm und rief: ‚Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter.‘ Alsbald fielen die Haare herab, und der Königssohn stieg daran hinauf.“

Nun, was meinen Sie? Ist das im Hintergrund der Turm von Rapunzel? Sieht fast danach aus. Jedenfalls könnte dieser Turm so ausgesehen haben und viele Kinder und Erwachsene hatten sicherlich beim Schlossturmfest in Diepholz am vergangenen Sonntag das Gefühl, der Zauberin, Rapunzel und ihrem Königssohn ganz nahe zu sein. Denn schließlich wurden jede Menge Märchen erzählt, zwar nicht im Schlossturm, aber in einem kleinen Märchen-Tipi.

Eng kuschelten sich die Kinder um die Märchenerzählerin Rita Maria Fröhle und lauschten mit offenen Ohren und großen Augen den spannenden und besinnlichen Märchen der Brüder Grimm, welche die Erzählerin frei vortrug, so, als ob sie selbst dabei gewesen wäre.

Auf die Frage, wieviele Märchen die Erzählerin auswendig, also frei erzählen könne, antwortete sie:

„Ach wissen Sie, das mögen sicherlich so an die 100 Märchen und Geschichten sein. Allerdings erzähle ich selbstverständlich die Märchen am liebsten, die auch die Kinder gerne mögen und mir selbst besonders am Herzen liegen. Und das sind meistens Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm.

Selbstverständlich erzähle ich ebenso Märchen aus aller Welt, vor allem, wenn mein kleines und großes Publikum zu mir ins Märchen-Tipi kommt. Da kann es durchaus schon einmal vorkommen, dass wir uns auf eine Reise durch die Welt aufmachen und natürlich bei den Indianern vorbeischauen. Denn in nahezu jeder Kultur dieser Erde gibt es wunderschöne Märchen!“

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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Hundertwasser und Märchen im Tipi

Mit viel Bewegung und bunten Farben widerstand das Fest der Kulturen auf dem Plochinger Bruckenwasen am 6. Mai dem schlechten Wetter. Vor allem in den trockenen Zeiten konnte man hier viel erleben: an einem Seil frei schwebend über den Neckar fliegen, märchenhaften Fabelwesen begegnen oder beim türkischen Kreistanz mitmachen.

Plochingen, die Stadt im „Ländle“, die u. a. auch durch das Hundertwasser Haus keine unbekannte ist, zeigt damit, dass Fantasie sehr wohl auch etwas mit Bodenständigkeit zu tun hat. Hundertwasser beweist dies eindrücklich in seinem farbigen und märchenhaften Bauwerk:

fröhliche Farbigkeit, gerundete Formen, verspielte Balkone, die auf behäbigen Keramiksäulen ruhen. Bäume wachsen aus Erkern, auf den Dächern und vier goldene Kugeln zieren zuguterletzt die Spitzen dieses kreativen und ideenreichen Märchen-Hauses. Individuelle Phantasie, in der es sich praktisch wohnen lässt und vor allem die Natur haben einen hohen Stellenwert für den Künstler.

Märchenhaft und phantasievoll haben auch die Märchenerzählerin Rita Maria Fröhle und der Märchenerzähler Karlheinz Schudt die Kinder und Erwachsenen beim Plochinger Bruckenwasen-Fest in den Bann gezogen.

So erzählten sie in ihrem kleinen Märchentipi spannend und lebendig Märchen aus verschiedenen Kulturen und von den Brüdern Grimm, ohne dabei ein einziges Mal in ein Buch oder eine Vorlage zu schauen. Das war wohl auch mit ein Grund, warum die Kinder und Erwachsenen so gebannt und fasziniert an ihren Lippen und Augen hingen, denn die Zeit verging in diesem Märchentipi wie im Flug.

Sie bewiesen mit dem Inhalt ihrer frei erzählten Märchen und Geschichten, dass diese durchaus Kulturen verbinden können, da Märchen einfühlsam und bildhaft einen tiefen Einblick in die Weisheiten nahezu aller Völker der Menschheit ermöglichen.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter