Erlebt erzählen, fasziniert zuhören, staunend sehen: Puppenbühne, Erzählbühne, Workshop

erlebt erzählen

Märchen werden in bestimmten Kreisen leider immer noch als grausame Geschichten beschrieben, die überdies auch noch klassische Rollenbilder bedienen. Doch das hängt immer wieder davon ab, wie man Märchen betrachtet und sie interpretiert. Nun sind ja Volksmärchen keineswegs historische Schilderungen, wenngleich immer wieder der Versuch unternommen wird, sie darauf zu reduzieren und ins Fantastische, Unwirkliche zu verbannen, mit denen man bestenfalls Kinder beeindrucken oder erziehen kann.

Märchen sind Seelenbilder

Doch Märchen sind Seelenbilder und drücken in unterschiedlichen Varianten innere Prozesse, Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten aus, die sich der Mensch schon seit Urzeiten bewusst macht oder machen sollte.

„Da ging das Mädchen zu dem Brunnen zurück und wusste nicht, was es anfangen sollte; und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein, um die Spule zu holen. Es verlor die Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selber kam, war es auf einer schönen Wiese, wo die Sonne schien und vieltausend Blumen standen.“
(Aus „Frau Holle“, zu finden in der Sammlung der Brüder Grimm von 1857)

Ich jedenfalls habe noch von keinem Kind gehört, das in den Brunnen springt, um die Frau Holle einmal zu besuchen. Auch nicht von einem Wolf, der sprechen kann und eine Großmutter verschlingt, ein Kind verschluckt und sie dann lebendig wieder herauslässt (Rotkäppchen). Es ist mir auch nicht bekannt, dass ein kleines Männchen Stroh zu Gold verspinnen kann (Rumpelstilzchen). Genau so wenig ist mir eine sprechende Taube begegnet oder ein Baum, der mit einem goldenen Schlüssel zu öffnen ist, in dem wunderbare Schätze zu finden sind (Die Alte im Wald). Und schließlich hörte ich noch niemals von zwei Brüdern, von denen der eine in einen Adler und der andere in einen Wal verwandelt wurde (Die Kristallkugel).

Konflikte, Entwicklungsphasen, ungewöhnliche Lösungen

Die Märchen, insbesondere die der Brüder Grimm, sind voll von solchen Sinnbildern. Gerade in der Pädagogik, Kunst, Literaturwissenschaft und Therapie betrachtet man Märchen eher symbolisch oder psychologisch (z. B. Bruno Bettelheim, Carl Gustav Jung, Verena Kast, Max Lüthi, Eugen Drewermann, Rudolf Meyer, etc.). Die Figuren in den Märchen stehen für innere Konflikte, Entwicklungsphasen und ungewöhnliche Lösungen, nicht aber für reale Rollenbilder.

Das wissen die Kinder intuitiv. Man muss es Ihnen verstandesmäßig nicht erklären. Auch spüren sie, dass die Geschehnisse in den Märchen nicht der realen Welt entsprechen, wohl aber dem, was sie in ihrer Seele vorfinden. Die echten Märchen haben auch wenig mit erfundenen Phantasiegeschichten oder dergleichen zu tun. Warum Kinder gerade von dem Genre Märchen so fasziniert sind, hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass es heilsame Prozesse in ihrem Gemüt anspricht, die tief in ihnen verwurzelt sind.

Vortrag in Ihrer Einrichtung: „Wie die Weisheit der Volksmärchen das Leben sinnvoll bereichert“

Sind Märchen wirklich grausam …

„Ja aber Märchen sind doch grausam! Die kann man doch Kindern nicht erzählen!“ Diesen Satz hört man nicht selten. Wenngleich es in den Märchen ganz schön drunter und drüber geht, so zeigt uns das Leben genauso die Höhen und die Tiefen, zuweilen noch viel dramatischer. Die Märchen schildern keineswegs eine heile Welt, aber sie weisen auf ungewöhnliche Lösungen hin, mit denen vertrauensvoll und mitfühlend Herausforderungen gemeistert werden können, so dass es auch am Ende gut ausgeht („und wenn nicht, dann war es noch nicht das Ende“ – Oscar Wilde).

Und doch gibt es Schilderungen von Eltern oder Pädagogen, die ihren Kindern Märchen erzählt oder vorgelesen haben und dann feststellen mussten, dass das eine oder andere Kind sich fürchtete. Aber auch hier wäre die Frage zu stellen, wie haben sie die Märchen ihren Kindern vorgetragen und ist es ihnen bewusst, dass es sich dabei um Sinnbilder handelt, nicht um alltägliche äußere Geschehnisse?

… oder haben Erwachsene mehr Probleme damit, als Kinder?

Wenn ich als Erwachsener natürlich die vermeintlichen Grausamkeiten im Märchen besonders herausstelle, dramatisch und überzogen meine Stimme erhebe und dadurch schließlich eigene Kindheitserinnerungen mit Märchen erwecke, die durch meine eigene Erziehung entstanden und womöglich noch nicht bewältigt sind, dann ist es kein Wunder, dass es so manchen Kindern ähnlich geht.

Workshop in Ihrer Einrichtung: „Frei Geschichten und Märchen erzählen lernen“

Puppenbühne und Erzählbühne:
Erlebt erzählen, fasziniert zuhören, staunend sehen

Mit unserer Erzählbühne oder Puppenbühne sind wir ca. 150 Tage/Jahr und das seit über 40 Jahren unterwegs. Unser Anliegen ist es, Kindern mit Hilfe der Märchen wichtige Werte wie Vertrauen, Mut, Freundschaft und Liebe zu vermitteln. Kinder lernen dadurch spielerisch, wie sie selbstermächtigt und mitfühlend Herausforderungen in ihrem eigenen Leben meistern können.

Auch und gerade Erwachsene erleben mit diesen weisheitsvollen Geschichten eine Welt der inneren Ruhe, Entspannung und Regeneration. Gerade so kann der hektische Alltag gelassener und zuweilen auch humorvoller bewältigt werden.

Die sanften Klänge der Zauberinstrumente in Verbindung mit der warmherzigen Stimme des Erzählers oder der Erzählerin, sowie die märchenhafte Atmosphäre der Erzählbühne oder dem farbenprächtigen und kontemplativen Fadenpuppenspiel der Puppenbühne (ohne übertriebene Dramatik), schaffen sowohl für Kinder als auch Erwachsene ein Raum der Erholung, Kreativität, Konzentration und inneren Sammlung.

Gerne kommen wir auch in Ihre Einrichtung 🙂

Märchenhafte und herzliche Grüße wünschen Ihnen

Karlheinz Schudt und Rita Maria Fröhle
Die Märchenbühne, Bretthorststraße 140, 32602 Vlotho
Telefon: 05733 – 960194

Sinnbilder